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Recht · Cyber Resilience Act

Cyber Resilience Act: Meldepflicht ab 11. September 2026

Ab 11.09.2026 gilt die CRA-Meldepflicht — auch für Maschinen, die längst ausgeliefert sind. Was Artikel 14 verlangt, wen er trifft, was bis dahin zu tun ist.

Stand:

In gut zwei Wochen, am 11. September 2026, greift die erste scharfe Pflicht aus dem Cyber Resilience Act. Sie betrifft nicht erst Maschinen, die ab 2027 gebaut werden. Sie betrifft alles, was Sie je ausgeliefert haben — die Maschine von 2015 ebenso wie die von letzter Woche.

FundstellenVerordnung (EU) 2024/2847Artikel 14 · MeldepflichtArtikel 22 · UmbauArtikel 64 · BußgelderArtikel 69 · ÜbergangAnhang III

Das ist keine Auslegung, sondern steht in Artikel 69.

Fristenlage

Vier Daten, zwischen denen sich alles entscheidet.

  1. 15.09.2022

    Kommissionsvorschlag — Steuerungen noch als wichtige Produkte

    Entwurf

    Anhang III, Klasse I, Nummer 22 des Entwurfs führte speicherprogrammierbare Steuerungen, Prozessleitsysteme, CNC-Steuerungen für Werkzeugmaschinen und SCADA-Systeme ausdrücklich auf. Wer heute Material aus dieser Zeit liest, liest eine Fassung, die es nicht mehr gibt.

  2. 11.09.2026

    Die Meldepflicht nach Artikel 14 beginnt

    Artikel 14

    Aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle sind zu melden — für die gesamte ausgelieferte Basis, unabhängig vom Baujahr.

  3. 20.01.2027

    Die Maschinenverordnung gilt

    MVO

    Produktrechtlich der erste der beiden Termine — mit eigener Konformitätsbewertung und eigenem Änderungsbegriff.

  4. 11.12.2027

    Produktanforderungen, Konformitätsbewertung, Unterstützungszeitraum

    Anhang I

    Ab hier gilt der CRA vollständig.

Daten aus dem Verordnungstext (EU) 2024/2847, dem Kommissionsvorschlag vom 15.09.2022 und der Maschinenverordnung.

Dieser Artikel nennt die Fundstellen: was am 11. September beginnt, welche drei Irrtümer im Maschinenbau kursieren und was sich vorher noch erledigen lässt. Die Bewertung Ihres konkreten Produkts gehört in die Konformitätsbewertung und gegebenenfalls zu Ihrer Rechtsberatung — hier stehen die Stellen, an denen beide ansetzen. Wie sich der CRA zu den Pflichten aus NIS2 verhält, steht kurzgefasst in den häufigen Fragen zur Migration.

Was am 11. September beginnt

Artikel 14 verlangt zwei Arten von Meldungen: bei einer aktiv ausgenutzten Schwachstelle in Ihrem Produkt und bei einem schwerwiegenden Sicherheitsvorfall, der die Sicherheit des Produkts beeinträchtigt. Beide laufen über dieselbe Plattform, aber mit unterschiedlichen Endfristen.

Artikel 14Vier Fristen — und zwei verschiedene Auslöser.
Schritt Frist Gemessen ab
Frühwarnung 24 Stunden Kenntniserlangung
Schwachstellen- bzw. Vorfallsmeldung 72 Stunden Kenntniserlangung
Abschlussbericht bei aktiv ausgenutzter Schwachstelle 14 Tage Verfügbarkeit einer Korrektur- oder Risikominderungsmaßnahme
Abschlussbericht bei schwerwiegendem Vorfall 1 Monat der 72-Stunden-Meldung

Verordnung (EU) 2024/2847, Artikel 14 Absatz 2 Buchstabe c und Absatz 4 Buchstabe c.

Die letzte Zeile wird häufig falsch wiedergegeben — meist als einheitliche 14-Tage-Frist. Tatsächlich hängen die beiden Abschlussberichte an unterschiedlichen Auslösern (Artikel 14 Absatz 2 Buchstabe c gegenüber Absatz 4 Buchstabe c). Für ein Meldeverfahren, das im Ernstfall funktionieren soll, ist das der Unterschied zwischen zwei Kalendereinträgen.

Dazu kommt Artikel 14 Absatz 8: Nutzer, die von einer aktiv ausgenutzten Schwachstelle betroffen sind, müssen informiert werden. Auch das gilt für Altprodukte.

Die Plattform, über die zu melden ist

Die zentrale Meldeplattform der ENISA war zum Stand dieses Artikels noch nicht in Betrieb; die Behörde gibt an, sie werde zum 11. September bereitstehen. Zwei Punkte daraus sind praktisch relevant.

ENISA-Meldeplattform

Zwei Eigenschaften, die den Ernstfall teuer machen.

Kein Probelauf

Freiwillige Meldungen erst nach dem 11. September

Ein Verfahren, das niemand einmal durchgespielt hat, wird unter Zeitdruck zum ersten Mal benutzt. Wer üben möchte, kann das auf dieser Plattform vor dem Stichtag nicht — die Funktion für freiwillige Meldungen wird erst danach freigeschaltet.

Die erste Meldung ist der Ernstfall

Kein automatisierter Weg

Vorerst keine Programmierschnittstelle

Jede Meldung ist ein Mensch an einem Browserformular — nachts, am Wochenende, im Urlaub.

Ein Mensch, ein Formular

Folge

Die Kontoanlage frisst die Frist

Wer die Zugänge erst im Ernstfall einrichtet, verbraucht einen erheblichen Teil der 24 Stunden mit Kontoanlage — und der Rest der Frist gehört eigentlich der Frage, was überhaupt passiert ist. Der Fahrplan am Ende dieser Seite setzt genau hier an.

Drei Irrtümer, die im Maschinenbau kursieren

„Steuerungen sind wichtige Produkte und brauchen eine notifizierte Stelle“

Das war einmal richtig — im Entwurf. Zwischen Kommissionsvorschlag und Endfassung liegt an dieser Stelle der ganze Unterschied.

Anhang III

Was der Entwurf listete und was die Endfassung listet.

Entwurf vom 15.09.2022

Steuerungen als wichtige Produkte

Klasse I, Nummer 22 des Kommissionsvorschlags, im Wortlaut des Entwurfs. Daneben standen dort industrielles IoT, Robotersteuerungen und industrietaugliche Router.

  • „programmable logic controllers (PLC)"
  • „distributed control systems (DCS)"
  • „computerised numeric controllers for machine tools (CNC)"
  • „supervisory control and data acquisition systems (SCADA)"

Alle Positionen im Trilog gestrichen

Endfassung

19 Kategorien der Klasse I, vier der Klasse II

Steuerungen kommen in keiner der beiden Klassen mehr vor.

  • Klasse II: Hypervisoren
  • Klasse II: Firewalls sowie IDS/IPS
  • Klasse II: manipulationssichere Mikroprozessoren
  • Klasse II: manipulationssichere Mikrocontroller

Wer heute noch liest, die SPS sei ein „wichtiges Produkt", liest Material auf dem Stand von 2022. Die praktische Folge ist erheblich: keine notifizierte Stelle, keine Baumusterprüfung — die Maschine wird per interner Kontrolle nach Modul A selbst bewertet.

Ergänzend stellt Artikel 7 Absatz 1 klar, dass der Einbau einer wichtigen Komponente das Gesamtprodukt nicht zu einem wichtigen Produkt macht. Eine Maschine mit eingebauter Industrie-Firewall bleibt Standardprodukt — dieselbe Firewall, separat verkauft, ist ein Anhang-III-Produkt.

„Die Maschinenverordnung geht vor“

Diese Annahme ist im DACH-Maschinenbau verbreitet und hat im Verordnungstext keine Grundlage. Artikel 2 Absätze 2 bis 4 zählen die Rechtsakte abschließend auf, die dem CRA vorgehen.

Vorrang haben nurMedizinprodukteIn-vitro-DiagnostikaKraftfahrzeugeZertifizierte LuftfahrtprodukteSchiffsausrüstung

Die Maschinenverordnung ist nicht darunter — sie kommt im gesamten verfügenden Teil des CRA nicht vor, sondern nur in einem Erwägungsgrund.

Die EU-Kommission hat das in ihren FAQ ausdrücklich bestätigt: Die Erfüllung der Cybersicherheitsanforderungen des einen Rechtsakts könne nicht automatisch als Erfüllung der Anforderungen des anderen betrachtet werden, und dasselbe gelte für das Konformitätsbewertungsverfahren.

Praktisch heißt das ab dem 11. Dezember 2027: zwei Bewertungen, eine Konformitätserklärung, die beide Rechtsakte nennt. Synergien zwischen beiden sind möglich — sie müssen aber begründet werden, statt sich von selbst zu ergeben. Zur Erinnerung an die Reihenfolge: Die Maschinenverordnung gilt schon ab dem 20. Januar 2027, der CRA erst knapp elf Monate später.

„Unsere Anlage hängt nicht am Netz“

Artikel 2 Absatz 1 verlangt keine Internetverbindung. Der Maßstab ist ein anderer und deutlich weiter.

Anwendungsbereich

Was als Datenverbindung zählt.

Maßstab
Direkte oder indirekte logische oder physische Datenverbindung mit einem Gerät oder NetzCRA Artikel 2 Absatz 1 — von einer Internetverbindung ist dort nicht die Rede
Beispiel der Kommission
Ein industrieller Feldbus wie PROFIBUS, der einen Sensor mit einer speicherprogrammierbaren Steuerung verbindetEin Kupferkabel genügt
Nicht erfasst
Geräte ganz ohne VerbindungsfähigkeitWas die Kommission als nicht erfasste Produkte nennt

Wortlaut und Beispiel aus dem Verordnungstext und den Kommissions-FAQ.

Ein Feldbus zwischen Sensor und Steuerung genügt also. Die Abgrenzung „hängt nicht am Netz, also nicht erfasst“ trägt nicht.

Wer Hersteller ist — und wer nicht

Hier liegt die Abgrenzung, die in der Praxis am häufigsten schiefgeht, weil sie sich genau umgekehrt zur Erwartung verhält.

RollenverteilungWer welche Pflicht trägt.Vier Rollen, drei Pflichtenkreise. Die Meldepflicht hängt am Inverkehrbringen, nicht am Baujahr — und die Maschinenverordnung folgt einer eigenen Logik, die sich an derselben Stelle genau gegenläufig verhält.
ROLLEMELDEPFLICHTArtikel 14 · ab 11.09.2026PRODUKTANFORDERUNGENAnhang I · ab 11.12.2027MASCHINENVERORDNUNGHersteller ab 20.01.2027HERSTELLERBringt Maschinen mit digitalenElementen in Verkehrauch für Altbestandab Inverkehrbringenzwei BewertungenEIGENBAUBaut ausschließlich für dieeigene Fertigungkein InverkehrbringenArtikel 3 Nummer 18UMBAU MIT ABGABEÄndert wesentlich und stelltdanach auf dem Markt bereitüber Artikel 22wie ein neues Produkt?eigener ÄnderungsbegriffBETREIBERNutzt die Anlage weiter selbst,auch nach einem UmbauBetreiberrecht statt CRA?je nach Umbau
  • Pflicht trifft zu
  • Keine Pflicht aus diesem Rechtsakt
  • Einzelfallbewertung — nicht pauschal zu beantworten

Eigene Darstellung nach Verordnung (EU) 2024/2847, Artikel 2, 7, 14, 22 und 69 sowie Maschinenverordnung Artikel 3 Nummer 18.

Eigenbau für den eigenen Betrieb: Der CRA erfasst ihn nicht. Es fehlt am Inverkehrbringen; die Kommission verweist dafür ausdrücklich auf den Blue Guide. Die Maschinenverordnung dagegen erfasst ihn sehr wohl — ihr Artikel 3 Nummer 18 zählt zum Hersteller auch, wer ein Produkt herstellt und „für den Eigengebrauch in Betrieb nimmt“.

Wer also eine Sondermaschine für die eigene Fertigung baut, ist Hersteller nach der Maschinenverordnung und kein Hersteller nach dem CRA. Sobald dieselbe Anlage an eine Schwesterfirma abgegeben wird, kippt die Bewertung.

Artikel 22

Zwei Bedingungen, die zusammen die Herstellerstellung auslösen.

Die Kette bricht, sobald eine der beiden Stufen fehlt. Genau darin liegt der Unterschied zwischen dem Umbauer, der abgibt, und dem Betreiber, der weiter selbst nutzt.

Bedingung 1

Wesentliche Änderung

Maßgeblich ist, ob sie sich auf die Cybersicherheitsanforderungen auswirkt.

Bedingung 2

Bereitstellung auf dem Markt

Die Maschine geht danach an einen anderen — verkauft, vermietet, überlassen.

Folge

Herstellerpflichten

Wer beides tut, ist Hersteller im Sinne von Artikel 22 — mit allem, was daran hängt.

Der Betreiber, der seine eigene Anlage nachrüstet und weiter selbst nutzt, wird dadurch kein CRA-Hersteller — nach der Maschinenverordnung und der Betriebssicherheitsverordnung sieht die Bewertung derselben Maßnahme wieder anders aus.

Ersatzteile: Ausgenommen sind nur Teile, die identische Komponenten nach denselben Spezifikationen ersetzen. Ein Nachfolgemodul mit zusätzlichen Funktionen ist kein identisches Ersatzteil, sondern ein eigenes, neu in Verkehr gebrachtes Produkt — mit eigenem Unterstützungszeitraum, der erst mit diesem Inverkehrbringen beginnt. Für Nachrüstsätze und Nachrüstmodule ist das die wirtschaftlich wichtigste Einzelheit der ganzen Verordnung.

Was danach kommt — und warum fünf Jahre selten reichen

Zum 11. Dezember 2027 gelten die eigentlichen Produktanforderungen. Was dann zu erfüllen und nachzuweisen ist, steht in Artikel 13 und Anhang I.

Ab 11.12.2027

Was der CRA dann verlangt.

Unterstützungszeitraum
Mindestens fünf JahreArtikel 13 Absatz 8 — eine Untergrenze, kein Standardwert
Sicherheitsupdates
Nach ihrer Bereitstellung mindestens zehn Jahre verfügbar
Software-Stückliste (SBOM)
Zu erstellen, nicht zu veröffentlichenAnhang I — gängiges, maschinenlesbares Format, mindestens die Abhängigkeiten der obersten Ebene
Vorlage der Stückliste
Nur gegenüber der Marktüberwachungsbehörde, auf begründetes Verlangen
Marktüberwachung in Deutschland
Das BSI, zugleich notifizierende BehördeDas Durchführungsgesetz lag im Sommer 2026 als Regierungsentwurf im Bundestag

Fundstellen: Verordnung (EU) 2024/2847, Artikel 13 und Anhang I; für die Behördenzuständigkeit der deutsche Regierungsentwurf.

Der Unterstützungszeitraum soll die erwartete Nutzungsdauer widerspiegeln, und die Erwägungsgründe nennen industrielle Steuerungssysteme ausdrücklich als Produkte, die deutlich länger in Gebrauch sind. Bei einer Maschine mit 15 bis 25 Jahren Nutzungsdauer sind fünf Jahre schwer zu begründen.

Was ein Verstoß kostet

Artikel 64 staffelt die Bußgelder nach der verletzten Pflicht. Die Meldepflicht steht in der obersten Stufe. Maßgeblich ist jeweils der höhere der beiden Beträge; der Prozentsatz bemisst sich am weltweiten Jahresumsatz.

15Mio. €

Verstöße gegen die Meldepflicht des Artikels 14 — oder 2,5 Prozent

CRA Artikel 64

10Mio. €

Verstöße gegen die übrigen Pflichten — oder 2 Prozent

CRA Artikel 64

5Mio. €

Falsche Auskünfte gegenüber Behörden — oder 1 Prozent

CRA Artikel 64

Eine Erleichterung gibt es für Kleinst- und Kleinunternehmen, und sie ist enger, als sie meist zitiert wird: Sie werden für die Versäumung der 24-Stunden-Frist nicht mit einer Geldbuße belegt. Die Pflicht selbst bleibt, ebenso die 72-Stunden-Frist und der Abschlussbericht.

Was jetzt zu tun ist

Die Schritte am Ende dieser Seite sind das, was sich vor dem 11. September ohne Rechtsberatung erledigen lässt. Sie ersetzen keine Konformitätsbewertung — sie sorgen dafür, dass eine Meldung im Ernstfall überhaupt absetzbar ist.

Davor steht die Frage, die niemand von außen beantworten kann: was Sie überhaupt in Verkehr bringen und wie weit die eigene Pflichtenlage reicht.

Betroffenheit

Sechs Fragen, die im Haus beantwortet sein müssen, bevor eine rechtliche Bewertung aufsetzen kann.

  • Was verlässt bei uns das Werk — und in welcher Form?

    Verkaufte Maschinen, vermietete Anlagen, an Schwesterfirmen abgegebene Sondermaschinen: Jede Abgabe verschiebt die Rolle, jede Nichtabgabe auch.

  • Welche unserer Produkte haben eine Datenverbindung?

    Die Liste wird länger als erwartet, sobald der Feldbus zwischen Sensor und Steuerung mitzählt.

  • Liefern wir Module, die mehr können als das Teil, das sie ersetzen?

    Sobald das der Fall ist, beginnt für dieses Modul ein eigener Unterstützungszeitraum mit seinem eigenen Inverkehrbringen.

  • Welchen Unterstützungszeitraum können wir je Baureihe begründen?

    Die Zahl gehört in die Kalkulation, bevor sie in der technischen Dokumentation steht — sie bindet über die gesamte Nutzungsdauer.

  • Woher kommt die Software in unseren Produkten?

    Zugekaufte Steuerungssoftware, Bibliotheken, Betriebssysteme von Bedienpanels. Die Stückliste verlangt mindestens die Abhängigkeiten der obersten Ebene.

  • Wer erstellt die Konformitätserklärung, die beide Rechtsakte nennt?

    Ab dem 11. Dezember 2027 stehen zwei Bewertungen nebeneinander. Wer sie zusammenführt, sollte vorher feststehen.

Die Antworten sind keine rechtliche Bewertung — sie sind die Grundlage, auf der eine solche Bewertung überhaupt aufsetzen kann.

Der aufwendigste Punkt des Fahrplans ist der letzte: Ohne Übersicht über die ausgelieferte Basis — welche Steuerung, welcher Firmware-Stand, welcher Kunde — lässt sich Betroffenheit nicht bewerten. Wer diese Übersicht für den eigenen Anlagenbestand aufbaut statt für die Kundenbasis, findet die Systematik dafür im Obsoleszenz- und Migrations-Check: Sie erhebt dieselben Felder, nur zu einem anderen Zweck.

Die Meldevorlage, die sich heute anlegen lässt

Was in eine Meldung gehört, lässt sich in Ruhe festlegen. Im Ernstfall läuft die 24-Stunden-Frist bereits, während die Felder noch gesucht werden.

Eine Vorlage für den Ernstfall — ausgefüllt, bevor sie gebraucht wird.
meldung-vorlage.yamlYAML
# Vorlage für eine Meldung nach Artikel 14.

meldeart: fruehwarnung          # fruehwarnung | meldung | abschlussbericht
anlass:   aktiv_ausgenutzte_schwachstelle   # oder: schwerwiegender_vorfall

kenntnis_erlangt_am: 2026-09-14T21:40+02:00   # setzt beide Anfangsfristen
fristen:
  fruehwarnung: 2026-09-15T21:40+02:00        # 24 Stunden
  meldung:      2026-09-17T21:40+02:00        # 72 Stunden
  abschluss:    offen                         # 14 Tage ab Korrektur- oder
                                              # Risikominderungsmaßnahme

produkt:
  bezeichnung:  ""
  baureihe:     ""
  firmware:     ""
  software:     ""

betroffenheit:
  ausgelieferte_einheiten: 0
  betroffene_einheiten:    0
  nutzer_informiert:       nein    # Pflicht aus Artikel 14 Absatz 8

sachstand: |
  Was bekannt ist, was noch nicht bekannt ist
  und welche Maßnahme geprüft wird.

Die Beispielwerte zeigen die Fristenrechnung: Der Zeitpunkt der Kenntniserlangung setzt die 24- und die 72-Stunden-Frist, der Abschlussbericht hängt dagegen an einem anderen Auslöser und bleibt deshalb zunächst offen.

Mehr ist vor dem 11. September nicht zu leisten — und mehr ist auch nicht nötig, um meldefähig zu sein. Alles Weitere, von der Konformitätsbewertung über den Unterstützungszeitraum bis zur Software-Stückliste, hängt am zweiten Termin: dem 11. Dezember 2027.

Fahrplan

Was bis zum 11. September vorbereitet sein sollte

Die Meldepflicht lässt sich nicht üben — freiwillige Meldungen schaltet ENISA erst danach frei. Diese Schritte sind vorher zu erledigen.

  1. EU-Login für zwei Personen anlegen

    Die Meldung läuft über die ENISA-Plattform mit EU-Login. Vorgesehen sind ein Hauptverantwortlicher und ein Vertreter; die Einladung an den Vertreter verfällt nach sieben Tagen.

  2. Zuständigkeit und Erreichbarkeit klären

    Die 24-Stunden-Frist läuft ab Kenntnisnahme, auch am Wochenende. Festlegen, wer meldeberechtigt ist und wie diese Person außerhalb der Arbeitszeit erreicht wird.

  3. Meldevorlage außerhalb der Plattform pflegen

    Entwürfe auf der Plattform sind nur für ihren Autor sichtbar. Eine Vorlage mit Produktbezeichnung, Version, Betroffenheit und Sachstand gehört in die eigene Ablage.

  4. Anlaufstelle für Schwachstellenmeldungen einrichten

    Artikel 13 Absatz 17 verlangt eine zentrale Anlaufstelle. Der kostenfreie Standard RFC 9116 (security.txt auf der eigenen Website) erfüllt das; BSI und DGUV empfehlen ihn.

  5. Wissen, was ausgeliefert wurde

    Die Meldepflicht trifft die installierte Basis. Ohne Übersicht über ausgelieferte Maschinen, deren Steuerungen und Firmware-Stände lässt sich Betroffenheit nicht bewerten.

FAQ

Häufige Fragen.

Müssen wir alte Maschinen jetzt nachrüsten?

Nein. Artikel 69 Absatz 2 nimmt Produkte, die vor dem 11.12.2027 in Verkehr gebracht wurden, von den Produktanforderungen aus. Für sie gilt allein die Meldepflicht nach Artikel 14 — kein Nachrüsten, keine Konformitätsbewertung, kein Supportzeitraum.

Gilt die Meldepflicht auch für Schwachstellen, die wir schon länger kennen?

Die Pflicht knüpft an die Kenntniserlangung ab dem 11.09.2026 an. Was vorher bekannt war, ist nicht nachzumelden. Wird eine ältere Schwachstelle danach erstmals aktiv ausgenutzt, entsteht die Pflicht mit dieser Kenntnis.

Brauchen wir für unsere Maschinen eine notifizierte Stelle?

Für eine gewöhnliche Maschine nicht. Anhang III listet Steuerungen seit der Endfassung nicht mehr; damit bleibt sie in der Standardkategorie mit interner Kontrolle nach Modul A. Zum Stichtag ist ohnehin keine für den CRA notifizierte Stelle benannt.

Wir bauen eine Anlage für den eigenen Betrieb — betrifft uns der CRA?

Nach dem CRA nicht: Er erfasst Produkte für den Eigengebrauch nicht, weil kein Inverkehrbringen vorliegt. Nach der Maschinenverordnung sind Sie in diesem Fall aber Hersteller — deren Artikel 3 Nummer 18 nennt die Inbetriebnahme für den Eigengebrauch ausdrücklich.

Haben wir als Anlagenbetreiber CRA-Pflichten?

Der CRA adressiert Hersteller, Einführer und Händler, nicht Betreiber. Betreiberpflichten kommen aus dem BSIG und der Betriebssicherheitsverordnung. Wer eine Anlage wesentlich ändert und sie danach auf dem Markt bereitstellt, wird allerdings zum Hersteller im Sinne von Artikel 22.

Reicht die Konformität nach der Maschinenverordnung?

Nach Auffassung der EU-Kommission nicht: Die Erfüllung der Cybersicherheitsanforderungen des einen Rechtsakts könne nicht automatisch als Erfüllung des anderen gelten, und auch die Konformitätsbewertung des einen ersetze die des anderen nicht. Beide gelten nebeneinander.

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