Recht, Sicherheit, Förderung
Cyber Resilience Act: Meldepflicht ab 11. September 2026
Ab 11.09.2026 gilt die CRA-Meldepflicht — auch für Maschinen, die längst ausgeliefert sind. Was Artikel 14 verlangt, wen er trifft, was bis dahin zu tun ist.
HMI · WinCC Unified
Skripte, Faceplates und Rezepturen übernimmt das Migrationswerkzeug nicht. Was beim Umstieg auf WinCC Unified Aufwand macht — und wo die Lizenz springt.
Stand:
Die Comfort Panels sind im Produktauslauf, der Nachfolger heißt Unified Comfort Panel — so weit ist die Lage klar. Weniger klar ist, was der Umstieg kostet, und die Schätzung geht fast immer am selben Punkt daneben: Sie orientiert sich an der Anzahl der Bilder.
Die Bilder sind der einfachste Teil. Aufwand entsteht an drei anderen Stellen, und alle drei stehen in Siemens’ eigener Dokumentation: bei den Skripten, bei der Schnittstelle zur Steuerung und bei der Lizenzzählung.
Dieser Artikel geht die drei Stellen der Reihe nach durch — mit dem, was Siemens dazu selbst schreibt, und mit dem, was daraus für ein Angebot folgt.
Eigene Darstellung nach der Siemens-Dokumentation zu WinCC Unified (Migration, Skriptumgebung, Bereichszeiger, Powertag-Zählung). Die Zahlen der unteren Bahn stammen aus einem Siemens-Rechenbeispiel.
Wann der Umstieg überhaupt ansteht, hängt am Panel-Bestand: Die Termine der Comfort-Panel-Reihe stehen in der Termintabelle, der Weg dorthin unter den Migrationspfaden.
Produktlebenszyklus
Warum die Frage jetzt auf dem Tisch liegt.
01.10.2024
Produktauslauf der Comfort Panels 15″ bis 22″
ProduktauslaufDie großen Geräte der Reihe sind seither in der Auslaufphase.
01.02.2026
Produktauslauf der Comfort Panels 4″ bis 12″
ProduktauslaufDamit ist die Reihe vollständig im Auslauf. Als Ziel einer Migration scheidet sie aus — wer ein Panel-Projekt heute neu aufsetzt, setzt es auf dem Nachfolger auf.
vsl. 12/2027
Liefer-Ende der Comfort-Panel-Reihe
Liefer-EndeVerbaute Panels laufen weiter; beschaffbar ist die Reihe danach nicht mehr. Das Datum betrifft die Beschaffung, nicht den Betrieb.
danach
Das Unified Comfort Panel ist der Nachfolger
NachfolgerUnd mit ihm WinCC Unified als Engineering — mit den Unterschieden, um die es in diesem Artikel geht.
Termine der Comfort-Panel-Reihe nach der Siemens-Produktmitteilung 109824856; mit Beleg stehen sie auch in der Termintabelle zur S7-Migration.
Für den Weg vom Comfort Panel nach Unified gibt es ein Migrations-Add-in. Es nimmt einen Teil der Arbeit ab — und Siemens benennt ausdrücklich, wo es aufhört.
Ungleiches Gewicht
Drei Posten, die neu entstehen.
Die Größe der Felder folgt dem Aufwand, nicht der Sichtbarkeit im fertigen Projekt.
Wird nicht übernommen
Skripte sind in JavaScript neu zu erstellen.
Das ist keine Auslegung, sondern die Aussage des Herstellers: Skripte überträgt das Werkzeug nicht. Bei einer über Jahre gewachsenen Skriptsammlung ist das der erste Aufwandstreiber — und er hängt an der Zahl und der Funktion der Skripte, nicht an der Zahl der Bilder.
Nicht konvertiert, sondern neu geschrieben
Wird nicht übernommen
Faceplates werden nicht übertragen.
Sie müssen neu aufgebaut oder als Unified-Typ neu angelegt werden. Wer eine gepflegte Faceplate-Bibliothek betreibt, baut damit seinen gesamten Bedienstandard neu auf.
Bibliothek neu aufbauen
Wird nicht übernommen
Rezepturen kommen nicht mit.
Sie heißen in Unified anders und sind anders aufgebaut. Für die Planung heißt das: ein eigener Posten, kein Nebeneffekt der Bildmigration.
Anderer Name, anderer Aufbau
Alle drei Punkte betreffen das HMI-Projekt. Der größte Einzelposten der Migration liegt nicht dort — er liegt in der Steuerung.
Damit ist die entscheidende Frage für jedes Angebot beantwortet: Eine Eins-zu-eins-Migration gibt es nicht.
Das ist keine Kritik am Produkt. Unified ist der Weg, und die Trennung von der alten Architektur ist der Grund, warum es mehr kann. Nur muss die Aufwandsschätzung davon ausgehen.
Der Wechsel von VBScript zu JavaScript wird meist als Modernisierung gelesen — endlich eine verbreitete Sprache. Dabei geht die wichtigere Eigenschaft unter: Die Skripte laufen serverseitig in einer Node.js-Umgebung, nicht im Browser des Bedieners.
Praktisch heißt das: Aufrufe, die man aus der Webentwicklung kennt, stehen nicht zur Verfügung — insbesondere nicht der direkte Abruf einer REST-Schnittstelle aus einem Bildskript heraus. Wer eine Anbindung an ein übergeordnetes System plant, plant sie an anderer Stelle.
An einem alltäglichen Bildskript lässt sich der Unterschied ablesen. Im Bestand steht es so da:
Sub Sollwert_Uebernehmen()
Dim sollwert, grenze
sollwert = HMI_Sollwert ' Variablenzugriff schematisch
grenze = Grenze_Oben ' schematisch
If sollwert > grenze Then
sollwert = grenze
End If
SPS_Sollwert = sollwert ' schematisch
End SubSchematisch verkürzt, auch beim Variablenzugriff: Wie er im Projekt geschrieben wird, steht in der Siemens-Dokumentation. Der Punkt ist nicht die Logik, sondern der Umstand, dass jede solche Zeile beim Umstieg nicht konvertiert, sondern neu geschrieben wird.
Dieselbe Aufgabe in Unified sieht anders aus. Der Unterschied, der die Planung betrifft, ist dabei nicht die Sprache, sondern der Ort der Ausführung:
function sollwertUebernehmen() {
let sollwert = leseVariable('HMI_Sollwert'); // schematisch
const grenze = leseVariable('Grenze_Oben'); // schematisch
if (sollwert > grenze) {
sollwert = grenze;
}
schreibeVariable('SPS_Sollwert', sollwert); // schematisch
// Aus der Webentwicklung bekannte Aufrufe stehen hier nicht zur
// Verfügung. Der direkte Abruf einer REST-Schnittstelle aus dem
// Bildskript heraus gehört dazu:
//
// const antwort = await fetch('http://mes.werk.intern/auftrag');
//
// Wer ein übergeordnetes System anbindet, plant die Anbindung an
// anderer Stelle — nicht im Bild.
}Schematisch: Wie die Zugriffsfunktionen im jeweiligen Versionsstand heißen, steht in der Siemens-Dokumentation. Zu zeigen ist hier der Ausführungsort — serverseitig, nicht im Browser des Bedieners.
Zwei weitere Punkte, die Projektpläne kippen können:
Kein Debugger auf der Panel-Hardware. Ein Skript-Debugger existiert für die PC-Runtime und für die Simulation am Programmierrechner. Auf dem Panel selbst bleibt die Auswertung über die Trace-Ausgabe. Wer vor Ort ein Panel in Betrieb nimmt und ein Skript nicht zum Laufen bringt, kann sich nicht einfach anhängen — das gehört in die Zeitplanung der Inbetriebnahme.
Hier liegt der Teil, den Angebote regelmäßig übersehen. Die Bereichszeiger, über die Comfort-Projekte mit der Steuerung koordiniert werden, existieren in Unified weitgehend nicht mehr — Bildnummer, Datensatz, Datum/Uhrzeit, Koordinierung, Projektkennung. Siemens vermerkt für mehrere davon, sie ließen sich bei Bedarf auf Anwendungsebene nachbilden.
„Auf Anwendungsebene nachbilden“ heißt: im SPS-Programm und im HMI-Projekt neu lösen. Der Aufwand wandert damit aus der Bedienebene heraus — und landet ausgerechnet dort, wo ein Maschinenbauer seinen Standard am wenigsten gern anfasst.
Für die Uhrzeitsynchronisation, die bisher über einen Bereichszeiger lief, ist die saubere Lösung ohnehin eine andere: eine Zeitsynchronisation über das Netz, statt die Uhrzeit zwischen Panel und Steuerung von Hand zu schieben.
Die Lizenzierung rechnet in Powertags. Auf dem Comfort Panel zählt ein Array als eine Variable, unabhängig davon, wie viele Elemente es hat. In Unified zählen die Elemente einzeln — und die Array-Variable zusätzlich.
1Variable
dasselbe Array auf dem Comfort Panel
Siemens-Rechenbeispiel
12Variablen
dasselbe Array in WinCC Unified
Siemens-Rechenbeispiel
Siemens führt das an einem Rechenbeispiel vor. Es ist ein Beispiel und keine Formel — die Zahl aus dem eigenen Projekt ist immer das bessere Argument.
Dieselbe Logik gilt für Strukturen. Ein Projekt mit vielen strukturierten Schnittstellen — also genau die saubere Bauweise, die man Maschinenbauern empfiehlt — kann bei der Variablenzahl deutlich springen.
Konsequenz für die Kalkulation: Die benötigte Lizenzgröße lässt sich nicht aus der bisherigen ableiten. Sie ist am konkreten Projekt zu zählen, bevor das Angebot rausgeht.
Ab Version 21 gibt es dagegen eine Variablenoptimierung. Sie hat allerdings eine Bedingung, die ausgerechnet fortgeschrittene Projekte trifft: Wer mit dynamischer Bindung arbeitet, also mit zur Laufzeit gebildeten Variablennamen, darf sie nicht aktivieren — das System erkennt solche Zugriffe nicht. Damit kollidiert die Optimierung mit einer Technik, die Siemens für Faceplate-Schnittstellen selbst empfiehlt.
Für das Unified Comfort Panel gelten Systemgrenzen, die vor dem Entwurf bekannt sein sollten. Zwei davon überraschen im Projekt regelmäßig — die eine, weil sie ein Rückschritt ist, die andere, weil im Datenblatt eine andere Zahl steht als die, mit der sich planen lässt.
Vor dem Bildentwurf
Was das Gerät vorgibt.
Die Systemgrenzen gelten für das Unified Comfort Panel und ändern sich mit den Versionsständen — vor dem Entwurf gegen die aktuelle Fassung der Systemgrenzen-Dokumentation prüfen.
Wer Bilder, Schriftarten und Trendpuffer nach der Datenblattzahl plant, plant zu großzügig.
Das Betriebssystem-Update löscht das Gerät.
Vor dem Betriebssystem-Update
Was gesichert und was notiert sein muss.
Projekt sichern
Nach dem Update liegt es nicht mehr auf dem Gerät.
Parametersätze sichern
Die produktiven Datensätze liegen auf dem Gerät und werden mit gelöscht.
Im Feld angelegte Benutzer sichern
Die Benutzerverwaltung des Geräts ist danach leer.
Schnittstellen notieren
Sie stehen nach dem Update wieder auf ihren Voreinstellungen.
Zeitzone notieren
Auch sie ist zurückgesetzt — in Meldungen und Archiven fällt das sofort auf.
Prüfen, ob das Update wirklich sein muss
Nötig wird es meist nur, weil ein neueres Projekt eine neuere Runtime verlangt.
Die Punkte gehören in die Unterlage des Geräts, nicht in das Gedächtnis der Person, die gerade davorsteht.
E-Mail geht nicht mit Bordmitteln. Auf dem Panel ist zwar ein E-Mail-Programm vorhanden, aus der Unified-Anwendung heraus nutzbar ist es nicht; dafür braucht es eine zusätzliche Anwendung. Die simpelste Zeile aus vielen Lastenheften — „Störmeldung per E-Mail“ — ist damit ein eigener Posten.
Faceplates hängen an der Runtime-Version. Neue Faceplate-Funktionen kommen mit jeder TIA-Version dazu und sind nicht abwärtskompatibel; auf dem Gerät muss die passende Runtime laufen. Bei Serienmaschinen mit unterschiedlichen Panel-Ständen im Feld wird die Pflege der Faceplate-Bibliothek dadurch zu einem eigenen Thema — eines, das man besser vor der ersten Auslieferung klärt.
Der Umstieg lohnt sich dort, wo die Bedienebene ohnehin überarbeitet wird oder wo das Panel der Engpass ist. Er ist kein Wartungsvorgang, sondern ein Projekt mit eigenem Umfang — Siemens beziffert die Handarbeit für die Umstellung je nach Projektgröße von mehreren Tagen bis zu mehreren Wochen.
Umsteigen, vorbereiten oder bleiben?
Die Reihenfolge zählt: Der erste Fall, der zutrifft, ist die Antwort.
Wenn
Die Bedienebene wird ohnehin überarbeitet
Dann
Umsteigen
Der Neuaufbau fällt dann so oder so an. Durch Warten wird er nicht kleiner, nur später.
Wenn
Das Panel ist der Engpass der Anlage
Dann
Umsteigen
Dann zahlt der Aufwand auf etwas ein, das ohnehin gebraucht wird — und nicht nur auf einen Termin.
Wenn
Die Anlage bleibt unverändert und das Panel läuft
Dann
Bleiben, den Beschaffungstermin aber im Kalender halten
Verbaute Panels laufen weiter. Der Umstieg ist ein Projekt mit eigenem Umfang und will geplant sein, statt als Ersatzteilfall entschieden zu werden.
Wer die Entscheidung vorbereitet, klärt am besten die Punkte unten, bevor Zahlen genannt werden. Sie bestimmen den Aufwand stärker als alles, was man auf den Bildern sieht — und sie gehören in dieselbe Betrachtung wie der Rest der Anlage, wenn ohnehin HMI-Engineering ansteht.
Fahrplan
Fünf Fragen, deren Antworten den Aufwand stärker bestimmen als die Anzahl der Bilder.
Skriptumfang zählen
Jede VBScript-Zeile wird neu geschrieben, nicht konvertiert. Die Zahl der Skripte und ihre Funktion sind der erste Aufwandstreiber — nicht die Zahl der Bilder.
SPS-HMI-Schnittstelle prüfen
Bereichszeiger existieren in Unified weitgehend nicht mehr. Wo Bildnummer, Datum/Uhrzeit oder Koordinierung genutzt werden, entsteht Anpassungsbedarf im SPS-Programm.
Variablen neu zählen
Arrays und Strukturen werden anders gezählt als auf dem Comfort Panel. Vor der Lizenzentscheidung anhand des konkreten Projekts nachrechnen, nicht anhand der bisherigen Lizenz.
Faceplates und Runtime-Version abgleichen
Faceplate-Funktionen sind an die Runtime-Version gekoppelt und nicht abwärtskompatibel. Bei Serienmaschinen mit unterschiedlichen Panel-Ständen ist das ein eigenes Thema.
Sonderfunktionen gegen die Bordmittel prüfen
Anforderungen wie Störmeldung per E-Mail sind auf dem Panel nicht mit Bordmitteln lösbar. Solche Punkte gehören vor die Angebotsabgabe, nicht in die Inbetriebnahme.
FAQ
Teilweise. Bilder und Variablen lassen sich übertragen, Skripte, Faceplates und Rezepturen nicht — Siemens schreibt selbst, dass Skripte in JavaScript neu zu erstellen und Faceplates neu aufzubauen sind. Eine Eins-zu-eins-Migration gibt es nicht.
Nein. Unified verwendet JavaScript, und die Skripte laufen serverseitig in einer Node.js-Umgebung, nicht im Browser des Bedieners. Aufrufe, die aus dem Web bekannt sind, stehen dort nicht zur Verfügung.
Weil Arrays und Strukturen anders gezählt werden. Auf dem Comfort Panel zählt ein Array als eine Variable; in Unified zählen die Elemente einzeln mit. Bei einem Projekt mit vielen Arrays oder Strukturen kann die Zahl deutlich steigen.
Auf der Panel-Hardware nicht. Ein Debugger steht für die PC-Runtime und für die Simulation zur Verfügung; auf dem Panel selbst bleibt die Auswertung über die Trace-Ausgabe. Das gehört in die Planung der Inbetriebnahme.
Es löscht Projekt, Parametersätze und Benutzerverwaltung auf dem Gerät und setzt Schnittstellen und Zeitzone zurück. Vor einem Update gehören Rezepturen und die im Feld angelegten Benutzer gesichert.
Recht, Sicherheit, Förderung
Ab 11.09.2026 gilt die CRA-Meldepflicht — auch für Maschinen, die längst ausgeliefert sind. Was Artikel 14 verlangt, wen er trifft, was bis dahin zu tun ist.
Kommunikation & Daten
Strukturen sind nicht konsistent lesbar, der Server läuft im CPU-STOP weiter, Zeitstempel meinen etwas anderes: Was vor einer MES-Anbindung zu klären ist.
Recht, Sicherheit, Förderung
Warum ein gewöhnlicher Netzwerkscan eine Anlage anhalten kann, was stattdessen geht und welche Angaben eine OT-Inventarliste tragfähig machen.
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