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Kommunikation · PROFINET

PROFINET-Analyse: Welche Grenzwerte wirklich gelten

Jitter und CRC-Fehler stehen in jedem Messbericht — als Abnahmekriterium kennt die PI-Richtlinie sie nicht. Die vier Pflichtgrößen und ihre Zahlenwerte.

Stand:

Ein PROFINET-Messbericht liegt auf dem Tisch. Darin: eine Jitter-Kurve mit roter Markierung, eine Tabelle mit CRC-Fehlern, eine Durchschnittsnetzlast von acht Prozent, darunter der Satz „Grenzwert nach PI-Richtlinie überschritten“.

Zwei der drei genannten Größen sind in der PI-Inbetriebnahmerichtlinie kein Abnahmekriterium — und für eine davon existiert dort überhaupt kein Zahlenwert. Das ist keine Spitzfindigkeit: Wer nach einem Bericht dieser Art Switches tauscht, behebt möglicherweise nichts, weil die eigentliche Ursache gar nicht gemessen wurde.

GrundlageInbetriebnahmerichtlinie 8.081Planungsrichtlinie 8.061Montagerichtlinie 8.071Funktionserdung und Schirmung 8.101Siemens · PROFINET mit STEP 7

Dieser Artikel sortiert, welche Werte die Richtlinie tatsächlich setzt, wie sie zu lesen sind und wo die Ursachen liegen, wenn alle Protokollwerte unauffällig aussehen und die Anlage trotzdem sporadisch stehenbleibt. Wer ohnehin vor der Umstellung von PROFIBUS steht, findet den Weg dorthin unter den Migrationspfaden — die Grenzwerte unten gelten dann für das Ergebnis.

4Kriterien

Abnahmekriterien setzt die Inbetriebnahmerichtlinie — mehr nicht

Inbetriebnahmerichtlinie · Abnahmekriterien

keinGrenzwert

Zahlenwert für Jitter nennt die Richtlinie nicht

Inbetriebnahmerichtlinie · ergänzende Parameter

0Pakete

Verworfene Pakete über 60 Sekunden, Kupfer wie Lichtwellenleiter

Inbetriebnahmerichtlinie · Abnahmekriterien

20% Netzlast

Bis hierher ohne Maßnahme, darüber beginnt der Prüfauftrag

Inbetriebnahmerichtlinie · Abnahmekriterien

MessaufbauVier Stellen zum Messen — keine davon zeigt alles.Welche Zahl aus einem Bericht belastbar ist, entscheidet sich am Ort des Abgriffs, nicht am Preis des Messgeräts.
NETZ IM BETRIEBCONTROLLERSteuerungSWITCH 1VerteilerSWITCH 2VerteilerTAPIO-DEVICEFeldgerätSTATISTIK IM SWITCHAuslesen statt MitschnittSIEHTVerworfene PaketeDatenvolumen, PortzustandSIEHT NICHTInhalt der TelegrammeZeitverhaltenAktives Auslesen erzeugt LastFREIER PORTLaptop am SwitchSIEHTBroadcasts, MulticastsARP, DCP, unruhiger RingSIEHT NICHTZyklische Datenanderer PortsKein TAP, kein SpiegelportSPIEGELPORTKopie auf einen ZielportSIEHTAufbau und AdressenBestand, KonfigurationSIEHT NICHTDie zeitliche ZuordnungPakete über der DatenrateFür Jitter nicht belastbarTAP IN DER STRECKEIn die Leitung eingesetztSIEHTAlles auf dieser Streckezeitrichtig, unverändertSIEHT NICHTWas auf anderen Streckendes Netzes läuftEinsetzen trennt die Strecke
  • An dieser Stelle belastbar
  • Verfälscht oder unvollständig
  • Zählwerte statt Mitschnitt

Eigene Darstellung nach der PI-Inbetriebnahmerichtlinie 8.081/8.082 V1.53 (Abgriffsarten und ihre Einschränkungen).

Die vier Kriterien, die tatsächlich gesetzt sind

Die Inbetriebnahmerichtlinie führt die Abnahmekriterien in einem eigenen Kapitel — es sind genau vier. Alles Weitere, namentlich der Jitter, steht in einem nachfolgenden Kapitel unter der Überschrift „weitere Parameter zur Bewertung des Netzwerkes“.

Zuordnung

Messgröße, Grenzwert, Einordnung.

Leitungstiefe
Abhängig von Aktualisierungszeit und Switch-Verfahren — bei 1 ms und Store-and-Forward sieben weiterleitende GeräteAbnahmekriterium · am Topologieplan prüfbar
Verworfene Pakete
Null, über einen Betrachtungszeitraum von 60 Sekunden, für Kupfer- wie für LichtwellenleiterstreckenAbnahmekriterium · aus den Switch-Statistiken
Netzlast
Unter 20 Prozent ohne Maßnahme, 20 bis 50 Prozent Überprüfung der geplanten Last, über 50 Prozent HandlungsbedarfAbnahmekriterium · gemittelt, zyklische Echtzeitdaten
Broadcasts
Stückzahlen je Typ, für ARP und DCP als harte Werte; betrachtet wird der Zustand nach dem SystemhochlaufAbnahmekriterium · an jedem freien Port sichtbar
Jitter
Kein Zahlenwert. Nur qualitativ beschrieben — und ausdrücklich als bei Linientopologien systembedingtErgänzender Parameter · kein Abnahmekriterium
CRC-Fehler
Kommen als Abnahmekriterium überhaupt nicht vor; auszulesen sind stattdessen drei andere GrößenKein Abnahmekriterium

PI-Inbetriebnahmerichtlinie 8.081/8.082 V1.53. Die Abnahmekriterien stehen in einem eigenen Kapitel, die ergänzenden Parameter zur Bewertung des Netzwerkes in einem nachfolgenden.

Leitungstiefe: die härteste Zahl, ganz ohne Messgerät

Wie viele weiterleitende Geräte zwischen einem Device und dem Controller liegen dürfen, hängt an der Aktualisierungszeit und am Switch-Verfahren:

Abnahmekriterium 1Zulässige Zahl weiterleitender Geräte zwischen Device und Controller.
Aktualisierungszeit Store-and-Forward Cut-Through
1 ms 7 64
2 ms 14 100
4 ms 28 100
8 ms 58 100

PI-Inbetriebnahmerichtlinie 8.081/8.082 V1.53, Kapitel der Abnahmekriterien.

Bei gemischtem Aufbau gelten die Store-and-Forward-Werte; ist das Verfahren unbekannt, ist davon auszugehen. Diese Prüfung kostet zehn Minuten am Topologieplan und erklärt einen erheblichen Teil aller Jitter-Beschwerden: Eine lange Linie bei 1 ms Aktualisierungszeit erzeugt lastabhängige Durchlaufzeiten, die als Jitter sichtbar werden — obwohl kein Gerät defekt ist.

Verworfene Pakete: der Grenzwert ist null

Die Null ist wörtlich gemeint. Über einen Betrachtungszeitraum von 60 Sekunden soll kein Paket verloren gehen, ausdrücklich für Kupfer- wie für Lichtwellenleiterstrecken. „Ein paar Discards sind normal“ ist von der Richtlinie nicht gedeckt — der Satz fällt in Diskussionen über Messberichte trotzdem regelmäßig.

Broadcasts: die Fehlerklasse, die niemand misst

Für ARP und DCP setzt die Richtlinie harte Stückzahlen. Null Broadcasts bedeuten keine Handlung; treten welche auf, ist zu klären, ob einzelne Teilnehmer gesucht werden oder ob jemand zyklisch ganze IP-Bereiche absucht. Letzteres ist mit dem Planungsverantwortlichen zu bewerten — es ist weniger eine Frage des Netzes als eine Frage danach, was im Produktionsnetz laufen darf.

Was nicht drinsteht: Jitter und CRC-Fehler

Für Jitter nennt die Richtlinie keinen Zahlenwert. Sie beschreibt ihn qualitativ: Ein gewisser Jitter sei besonders bei Linientopologien systembedingt und entstehe durch lastabhängig unterschiedliche Durchlaufzeiten; ein dauerhaft steigender Jitter könne auf Störungen, geänderte Last, Topologieänderungen oder einen Gerätetausch hindeuten.

Der viel zitierte Wert „50 Prozent der Aktualisierungszeit“ stammt aus dem Handbuch eines Messgeräteherstellers. Als Praxisfaustregel ist er brauchbar — als „Grenzwert nach PI-Richtlinie“ ist er falsch zitiert.

CRC-Fehler kommen in der Inbetriebnahmerichtlinie als Abnahmekriterium überhaupt nicht vor. Was sie zum Auslesen an Switches nennt, sind drei andere Größen:

AuszulesenÜbertragenes DatenvolumenAnzahl verworfener PaketePortzustand · Rate und Duplex

Ausgerechnet die letzte Größe ist in der Praxis ergiebig und steht selten in Berichten: Ein Port, der im Halbduplex läuft, weil eine Seite fest eingestellt ist und die andere verhandelt, produziert genau die sporadischen Ausfälle, die man dann in der Jitter-Kurve sucht.

Netzlast: die meistverkürzte Zahl

Zitiert wird fast immer nur „20 Prozent“. Unterschlagen wird zweierlei: dass 20 bis 50 Prozent kein Fehler ist, sondern ein Prüfauftrag, und dass sich der Wert auf die zyklische Echtzeitkommunikation bezieht — während Messgeräte oft die Gesamtlast aller Protokolle anzeigen.

Wichtiger noch ist, was die Richtlinie selbst zur Aussagekraft sagt: Die Verteilung der Last im Betrachtungszeitraum lässt sich nicht bestimmen, weil die Werte immer gemittelt werden — je länger der Zeitraum, desto stärker verwischen kurze Spitzen. Eine Durchschnittslast von acht Prozent über eine Stunde schließt eine Spitze von hundert Prozent über drei Millisekunden nicht aus. Und genau diese Spitze legt die Anlage lahm, nicht der Mittelwert.

Zur Gegenprobe am Schreibtisch liefert die Planungsrichtlinie Erzeugungswerte je Gerät für ein typisches Telegramm bei 100 Mbit/s. Damit lässt sich vor jeder Messung ausrechnen, welche Größenordnung überhaupt zu erwarten ist:

GegenprobeErzeugungswert je Gerät für ein typisches Telegramm bei 100 Mbit/s.
Aktualisierungszeit Last je Gerät
1 ms 0,86 %
2 ms 0,43 %
4 ms 0,22 %
8 ms 0,11 %

PI-Planungsrichtlinie 8.061/8.062 V1.59. Die Rechnung ersetzt keine Messung — sie sagt nur, welche Größenordnung eine Messung bestätigen müsste.

Vierzig Geräte auf 1 ms ergeben damit rechnerisch etwa 34 Prozent in Richtung Controller. Werden dort sechs Prozent gemessen, misst das Gerät etwas anderes als angenommen — oder an der falschen Stelle.

Der Messweg: vier Stufen, vier Fehlerquellen

Zwischen dem Verdacht und dem Bericht liegen vier Stufen. Jede hat ihre eigene Art, ein Ergebnis unbrauchbar zu machen — und die erste ist die einzige, die sich später nicht mehr korrigieren lässt.

Messweg

Vom Abgriff zum Abnahmeprotokoll.

Stufe 1

Abgriff

Freier Port, Spiegelport, TAP — oder gar kein Mitschnitt, sondern die Statistik im Switch. Der Ort entscheidet, welche Größe überhaupt belastbar wird.

Stufe 2

Aufzeichnung

Jede Größe hat ihren Betrachtungszeitraum: 60 Sekunden für die verworfenen Pakete, der Zustand nach dem Systemhochlauf für die Broadcasts, ein Mittelwert für die Netzlast.

Stufe 3

Auswertung

Erst trennen, was Abnahmekriterium ist und was ergänzender Parameter. Danach prüfen, worauf sich die Prozentzahl der Netzlast bezieht.

Stufe 4

Bericht

Messkurven allein sind eine Momentaufnahme ohne Bezugsgröße. Erst der Vergleich gegen die Planung macht daraus ein Abnahmeprotokoll.

Was in Stufe 1 verlorengeht oder verschoben wird, ist in keiner der folgenden Stufen wiederherzustellen — auch nicht mit einem besseren Auswerteprogramm.

Warum der Spiegelport für Zeitmessungen nicht taugt

Der Spiegelport — in den Menüs der Switches meist Mirror-Port — kopiert den Verkehr eines Ports auf einen Zielport. Dass er für Zeitmessungen nichts taugt, hört man sonst meist von TAP-Herstellern. Die Aussage steht aber auch in der Richtlinie selbst, und zwar mit zwei Begründungen.

Zwei Arten, an die Pakete zu kommen

Was der Abgriff mit den Messwerten macht.

Spiegelport

Kopie auf einen Zielport

Im Switch eingerichtet, ohne Eingriff in die Verkabelung — mit zwei Einschränkungen, die die Richtlinie ausdrücklich benennt.

  • Die Summe aus ein- und ausgehenden Daten des gespiegelten Ports darf die Datenrate des Zielports nicht übersteigen, sonst fehlen Pakete im Mitschnitt.
  • Die Pakete können sich in ihrem Aufbau unterscheiden, etwa durch ein zusätzliches VLAN-Tag.
  • Sie können sich in ihrer zeitlichen Zuordnung von den ursprünglichen unterscheiden.
  • Für Bestand, Adressen und Konfiguration bleibt derselbe Mitschnitt brauchbar.

Ohne Unterbrechung einzurichten

TAP

In die Strecke eingesetzt

Keine dieser Beschränkungen — dafür muss die Verbindung zum Einsetzen aufgetrennt werden.

  • Zeitrichtig und unverändert: die Grundlage jeder Aussage über Jitter und Durchlaufzeiten.
  • Die Richtlinie empfiehlt bevorzugt passive TAPs, weil deren Ausfall die Verbindung nicht unterbricht.
  • Sieht nur die eine Strecke, in der er sitzt.

Nur mit Unterbrechung einzusetzen

Daraus folgt ein praktischer Schluss, den die Richtlinie selbst nicht zieht: An den Konzentrationspunkten dauerhaft verbaute TAPs verwandeln eine einmalige Messung in eine jederzeit messbare Anlage. Die Unterbrechung fällt dann einmal an — und nicht bei jeder Störungssuche erneut.

Ähnlich klar ist die Abgrenzung zur aktiven Diagnose über SNMP, Webserver oder Bordmittel: Aktives Auslesen erzeugt zusätzlichen Verkehr und ist für zeitlich hochauflösende Analysen deshalb nicht geeignet.

Wenn alle Protokollwerte sauber sind

Bleiben die vier Kriterien unauffällig und die Anlage fällt trotzdem sporadisch aus, liegt die Ursache meist in der Physik. Vier Punkte mit belegten Zahlen — und keiner davon braucht einen Netzwerkanalysator.

Unterhalb der Protokollebene

Vier Ursachen, die kein Protokollwert anzeigt.

Ursache 1

Vier Steckverbinderpaare, mehr nicht

Ein End-to-End-Link darf maximal 100 Meter lang sein und höchstens vier Steckverbinderpaare enthalten — einschließlich des ersten und des letzten Steckers. Zwischen den beiden Endsteckern sind also nur zwei weitere Steckstellen erlaubt. Wanddurchführungen und Kupplungen zählen dabei als zwei Paare.

Gewachsene Anlagen reißen das schnell

Ursache 2

Abstand zur Energieleitung

Ohne metallische Trennung 10 mm, bei offener Trennung 8 mm, bei perforierter 5 mm, bei geschlossener 0 mm. Ein häufiger Befund bei EMV-bedingten Sporadikern — und einer der wenigen, die im Kabelkanal sofort zu sehen sind.

Prüfbar mit dem Zollstock

Ursache 3

Die Grenze der Zertifizierungsmessung

Liegt die Einfügedämpfung eines Abschnitts unter 4 dB, hat der Nebensprech-Messwert nur informativen Charakter. Bei kurzen Strecken — also in fast jeder Maschine — ist dieser Wert im Protokoll nicht belastbar, obwohl er dort grün erscheint.

Grün heißt hier: nicht belegt

Ursache 4

Schirmströme: zwei gleiche Werte, zwei Bedeutungen

Gemessen wird mit der Strommesszange im laufenden Betrieb bei beidseitig aufgelegtem Schirm: unter 5 mA sehr gut, unter 30 mA außerhalb explosionsgefährdeter Bereiche unauffällig, 30 bis 100 mA Ursache prüfen, über 100 mA Maßnahme erforderlich.

Der kontraintuitive Teil: Ein sehr kleiner Wert ist kein Gütesiegel. Er kann eine sehr gute Schirmanbindung bedeuten — oder einen unterbrochenen Schirmkreis, häufig im Stecker oder im Gerät. Zwei identische Messwerte können also das Gegenteil voneinander bedeuten.

Die Schleifenimpedanz gehört mitgemessen

Grundlage: PI-Montagerichtlinie 8.071/8.072 V2.12, PI-Richtlinie Funktionserdung und Schirmung 8.101/8.102 V3.1 sowie die Inbetriebnahmerichtlinie 8.081/8.082 V1.53.

Ein Konflikt, bei dem beide Seiten recht haben

Bei der Kommunikationsüberwachung stoßen zwei Empfehlungen aufeinander, die beide belegt sind. Die Richtlinie setzt als Auslöseschwelle drei Zyklen ohne gültige Daten an und empfiehlt, es dabei zu belassen; Siemens warnt für Ringtopologien ausdrücklich vor genau dieser Einstellung.

Welche Ansprechüberwachungszeit ist die richtige?

Der Widerspruch ist keiner — die beiden Aussagen betrachten verschiedene Fälle. Der erste zutreffende Fall ist die Antwort.

  • Wenn

    Linie oder Stern, keine Medienredundanz

    Dann

    Bei drei Zyklen belassen

    Die Fehlererkennungszeit ist Aktualisierungszeit mal Schwelle — bei 2 ms also 6 ms. Genau so empfiehlt es die Richtlinie.

  • Wenn

    Ring mit Medienredundanz

    Dann

    Überwachungszeit gegen die Rekonfigurationszeit rechnen

    Siemens hält fest: Ist die Rekonfigurationszeit des Rings größer als die Ansprechüberwachungszeit der Geräte, wird die Echtzeitkommunikation beim Umschalten unterbrochen. Die Überwachungszeit ist deshalb ausreichend groß zu wählen — sonst erzeugt ausgerechnet die Redundanz den Stationsausfall, den sie verhindern soll.

Beide Aussagen sind richtig, weil sie unterschiedliche Fälle betrachten: Die Richtlinie spricht über Störfestigkeit gegen einzelne EMV-Ereignisse, Siemens über die Umschaltzeit bei Medienredundanz.

Was ein Bericht enthalten muss

Die Richtlinie sieht für das Abnahmeprotokoll zur Hälfte Soll-Ist-Vergleiche gegen die Planung vor: Gerätenamen, IP-Adressen, Firmwarestände, Aktualisierungszeiten, Überwachungsschwellen. Ein Bericht, der nur Messkurven zeigt, ist damit kein Abnahmeprotokoll — er ist eine Momentaufnahme ohne Bezugsgröße.

Abnahmeprotokoll

Sechs Punkte, an denen sich ein Bericht prüfen lässt.

  • Soll-Ist-Vergleich gegen die Planung

    Gerätenamen, IP-Adressen, Firmwarestände, Aktualisierungszeiten und Überwachungsschwellen — gemessen gegen das, was geplant war.

  • Kriterien und ergänzende Parameter getrennt ausgewiesen

    Vier Größen entscheiden über die Abnahme. Alles andere ist Zusatzinformation und darf nicht als Grenzwertverletzung erscheinen.

  • Betrachtungszeitraum je Messgröße

    Ohne ihn ist eine Null bei den verworfenen Paketen so wenig wert wie ein Mittelwert der Netzlast.

  • Bezugsgröße der Netzlast benannt

    Zyklische Echtzeitkommunikation oder Gesamtlast aller Protokolle — daraus werden zwei völlig verschiedene Prozentzahlen.

  • Ort und Art des Abgriffs dokumentiert

    Zeitwerte aus einem Spiegelport tragen die Einschränkung der Richtlinie mit sich und gehören als solche gekennzeichnet.

  • Herkunft jedes genannten Grenzwerts

    Richtlinie mit Kapitel oder Handbuch eines Messgeräteherstellers — der Unterschied entscheidet, ob ein Wert einen Mangel begründet.

Punkt 1 nennt die Richtlinie ausdrücklich; die übrigen fünf ergeben sich aus den Einschränkungen, die sie an anderer Stelle selbst beschreibt.

Zum Schluss ein Punkt, der in Messberichten selten steht: Eine Abnahmemessung der Verkabelung ist beim Komponentenansatz mit Herstellererklärung nicht verpflichtend. Wer sie beauftragt, tut das aus gutem Grund — bei konfektionierten Leitungen, gewachsenen Anlagen oder wiederkehrenden Störungen. Als gesetzliche Pflicht lässt sie sich nicht begründen.

Bleibt am Ende die Frage, ob das Netz oder die Steuerung das Problem ist: Bei Anlagen mit Altsteuerungen lohnt es, beides zusammen zu betrachten — die Bestandsaufnahme erhebt Feldbus und Peripherie ohnehin gemeinsam.

Fahrplan

Was sich ohne Messgerät prüfen lässt

Vier Prüfungen, für die ein Topologieplan, ein Laptop und eine Strommesszange reichen — sie decken einen großen Teil der typischen Befunde ab.

  1. Leitungstiefe gegen den Plan zählen

    Bei 1 ms Aktualisierungszeit und Store-and-Forward-Switches sind höchstens sieben weiterleitende Geräte zwischen Device und Controller zulässig. Das braucht kein Messgerät, nur den Topologieplan.

  2. Verworfene Pakete an den Switches auslesen

    Über 60 Sekunden sollte kein Paket verlorengehen — für Kupfer wie für Lichtwellenleiter. Die Werte stehen in den Statistiken der Switches und der in den Geräten integrierten Switches.

  3. Broadcasts an einem freien Port mitschneiden

    Broadcasts und Multicasts gehen an alle Ports. Ein Laptop an einem freien Switch-Port genügt, um zyklische Netzwerk-Scans oder einen unruhigen Ring zu erkennen — ohne TAP, ohne Mirror-Port.

  4. Schirmströme im laufenden Betrieb messen

    Mit der Strommesszange am beidseitig aufgelegten Schirm. Unter 30 mA außerhalb explosionsgefährdeter Bereiche ist unauffällig, über 100 mA verlangt eine Maßnahme.

FAQ

Häufige Fragen.

Ist eine PROFINET-Abnahmemessung vorgeschrieben?

Nein. Beim Komponentenansatz mit Herstellererklärung verlangt die PI-Richtlinie keine verpflichtende Abnahmemessung der Verkabelung. Sinnvoll ist sie trotzdem überall dort, wo konfektioniert wurde oder wo der Aufbau über Jahre gewachsen ist.

Ab welcher Netzlast wird es kritisch?

Unter 20 Prozent ist keine Maßnahme nötig, zwischen 20 und 50 Prozent empfiehlt die Richtlinie eine Überprüfung der geplanten Last, über 50 Prozent sind Maßnahmen erforderlich. Die Werte beziehen sich auf die zyklische Echtzeitkommunikation bei 100 Mbit/s.

Welchen Jitter-Grenzwert gibt die PI-Richtlinie vor?

Keinen. Die Inbetriebnahmerichtlinie beschreibt Jitter qualitativ und führt ihn unter den ergänzenden Parametern, nicht unter den Abnahmekriterien. Der oft zitierte Wert von 50 Prozent der Aktualisierungszeit stammt von einem Messgerätehersteller.

Reicht ein Mirror-Port für die Analyse?

Für Bestands- und Konfigurationsfragen ja, für Zeitmessungen nicht. Die Richtlinie hält fest, dass sich die Pakete am Mirror-Port in Aufbau und zeitlicher Zuordnung von den ursprünglichen unterscheiden können und dass die Datenrate den Mitschnitt begrenzt.

Sollte man PROFINET-Ports fest auf 100 Mbit/s Vollduplex stellen?

Nicht pauschal. Die Richtlinie sieht das Abschalten von Autonegotiation nur an Ports vor, an denen der priorisierte Hochlauf genutzt wird. Steht nur eine Seite fest, während die andere verhandelt, entsteht genau der Duplex-Konflikt, den die Einstellung verhindern sollte.

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